Schaufenster zur Stadt - Reformierte im Ladenlokal in Northeim

 

In Northeim in der Plesse hat die reformierte Gemeinde gerade einen
großen Schritt gewagt. In der kleinen Stadt, die 20 Kilometer nördlich von
Göttingen liegt, gab es seit Jahrzehnten eín reformiertes Gemeindehaus in einem
120 Jahre alten großen Gebäude.

Für die Gemeinde war das Haus inzwischen zu groß geworden. Anstehende
Sanierungskosten überforderten die Gemeindefinanzen. Nun wurde das Gemeindehaus
verkauft. Der Erlös wird in eine Stiftung eingebracht. Für die Gemeindearbeit
mietet die reformierte Gemeinde leerstehende Räume eines
ehemaligen Haushaltswarengeschäftes in der Innenstadt. Räume für Gruppenaktivitäten
und ein Büro werden eingerichtet.


Für Gottesdienste nutzt die Gemeinde seit jeher die St. Blasienkapelle,
für die es eine Nutzungsvereinbarung mit der Stadt gibt.
Die gemieteten Räume besitzen zur Innenstadt eine Front mit acht großen
Schaufenstern. Sie bilden sozusagen das „Gesicht der Gemeindearbeit“. Kirche
wird präsent und ansprechbar mitten in der Stadt. Die Kirche kann etwas
zum Gemeinwesen beitragen. Geplant sind z.B. Nachhilfestunden, Lesungen
oder Gesprächskreise. Pastor Geiken wird zu regelmäßigen Öffnungszeiten
präsent sein. Denn neben Northeim ist er noch für die Gemeinden in Spanbeck,
Holzerode und Billinghausen, sowie für verstreute Gemeindeglieder
in einer großen Fläche zuständig.
Vieles an dem Projekt ist noch offen und befindet sich in der Entwicklung.
„Kirche auf dem Weg“ nennt es Pastor Geiken. Es geht darum, die Menschen
dort abzuholen, wo sie sind, und die christliche Inhalte konkret erfahrbar zu
machen.

Es ist ein offener Versuch. Wenn es nicht funktionieren sollte, ist die Kirchengemeinde
frei, an einem anderen Ort mit einer anderen Idee etwas zu
wagen. Da es keinen Gebäudebesitz mehr gibt, ist die kirchliche Arbeit
nicht gebunden an ein Grundstück und an eine Immobilie mit entsprechenden
finanziellen Belastungen.

Gab es denn keine Widerstände, die Räume aufzugeben, in denen viele Generationen
ihre Heimat finden konnten?
"Große Konflikte gab es nicht“, antwortet Pastor Geiken. Natürlich fanden
viele es schade, das vertraute Gemeindehaus aufzugeben. Aber ein
Blick in die Zahlen und auf die Perspektiven der kleinen reformierten Gemeinde
legte es nahe, eine Zukunft ohne ein eigenes Gebäude anzustreben.

Das Konzept erinnert ein wenig an die „Ladenkirche“ oder „Citykirche“ aus
den 60er Jahren, aber mit neuem Profil. Der Schritt bleibt ein Wagnis. In einer
Kirche geht es nicht anders als mit dem, wovon im Gottesdienst gesungen
wird: „Vertraut den neuen Wegen…“

Martin Hinrichs