In dulci jubilo - "In süßer Freude"

Die Zeiten erscheinen vielen als dunkel und besorgniserregend. Kann ein Weihnachtsfest mit all seinen süßen und bunten Aromen die Sorgen vertreiben und das Gemüt aufhellen?

Musik hilft. Der Schatz der wunderbaren Advents- und Weihnachtslieder kann Zuversicht in uns erden und begründen. Das Lied "In dulci jubilo" gehört seit vielen Jahrhunderten zu den besonders beliebten Liedern. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert. In dieser Zeit beschränkte sich Weihnachten für die Menschen zumeist auf die Teilnahme an den Messen in der Kirche zu Weihnachten. Warme Stuben mit Weihnachtsbaum, süßem Weihnachtsteller und Bescherung waren unbekannt. Da war ein Lied wie "In dulci jubilo" eine besonders süße Überraschung - denn die Menschen in der Kirche konnten mitsingen! Das war sonst nicht die Regel. Das Lied lässt den Ursprung noch erkennen als Mischgesang im Wechsel von Priester und Klerikern und der einfachen Gemeinde. Der Text bietet einen Mischmasch von Latein und Deutsch. "In dulci jubilo" ist das berühmteste und beliebteste dieser "makaronischen" Lieder aus deutschen und lateinischen Textteilen. Es wird bis heute gerne gesungen. Im Gesangbuch steht es unter der Nummer 35 in der eingedeutschten Version der Reformationszeit als "Nun singet und seid froh".

Das Lied singt davon, wie das göttliche Licht in der Krippe liegt. Gott selbst kommt in die Dunkelheiten der Welt, in der "wir all verdorben warn durch Sünd und Eitelkeit." Darin besteht der tiefste Grund, jeden Tag mit Zuversicht zu beginnen. Ja, es ist dunkel. Mehr bittere als süße Aromen liegen in der Luft. Aber mitten unter uns ist dieses kleine Kind mitten unter uns in dieser Welt. Es ist ein Zeichen, wie Gott von ganz unten her und von Anfang an unsere Zuversicht begründet und erdet. Es ist wird niemals so dunkel, dass dieses Licht in der Krippe verschluckt wird.

Das Lied hat einen schwebenden Rhythmus - so wie beim Wiegen eines kleinen Kindes. In diesem Hin und Her der wiegenden Bewegung massiert sich die Zuversicht und die tiefe Freude gleichsam in unseren Leib ein. So kann sich die Quelle der weihnachtlichen Freude zart anschmiegen in die Dunkelheit unserer Tage. Aber ebenso passend ist es, wenn diese Melodie in voller Lautstärke mit Pauken und Trompeten erklingt wie in der Version von Michael Prätorius - wie ein trotziger Refrain gegen die betrüblichen Nachrichten unserer Tage.

Die vierte Strophe fragt am Anfang: Wo ist der Freuden Ort? - und antwortet: "Nirgends mehr als dort, da die Engel singen mit den Heil´gen all´und die Psalmen klingen im hohen Himmelssaal." Das Besondere am Fest der Weihnacht ist, dass dieser Ort des Singens und der Freude mitten in unser Leben hineinkommt. Es ist nicht nur im fernen Himmelssaal. Es kann überall dort aufkeimen, wo eines dieser schönen Weihnachts- und Adventslieder gesungen wird. Darum ist es ein segensreiches Vorhaben, an jedem Tag in der Adventszeit eine Strophe oder ein Lied eines Advents- und Weihnachtsliedes bewusst und für sich zu singen oder anzuhören. Dann kann uns die Sonne leuchten und das Herz mit Zuversicht erfüllen - in matris in gremio - wie im mütterlichen Schoß...

 

In dulci jubilo - verschiedene Vertonungen durch die Zeit

Von zart bis bombastisch jubilierend - vom einfachen Satz bis zur Kantate - wer möchte, kann noch viel mehr Beispiele finden.

Zum Mitsingen "Nun singet und seid froh"

 

1. Nun singet und seid froh,
jauchzt alle und sagt so:
Unsers Herzens Wonne
liegt in der Krippen bloß
und leucht’ doch wie die Sonne
in seiner Mutter Schoß.
Du bist A und O,
du bist A und O.

2. Sohn Gottes in der Höh,
nach dir ist mir so weh.
Tröst mir mein Gemüte,
o Kindlein zart und rein,
durch alle deine Güte,
o liebstes Jesulein.
Zieh mich hin zu dir,
zieh mich hin zu dir.

3. Groß ist des Vaters Huld,
der Sohn tilgt unsre Schuld.
Wir warn all verdorben
durch Sünd und Eitelkeit,
so hat er uns erworben
die ewig Himmelsfreud.
O welch große Gnad,
o welch große Gnad!

4. Wo ist der Freuden Ort?
Nirgends mehr denn dort,
da die Engel singen
mit den Heilgen all
und die Psalmen klingen
im hohen Himmelssaal.
Eia, wärn wir da,
eia, wärn wir da!