Ein Kind geborn zu Bethlehem - Puer natus in Bethlehem

Vor jedem Weihnachtsfest steht die Adventszeit. Auf Weihnachten muss man sich bewusst vorbereiten. Nur so kann das Fest zu einem tief bewegenden Erlebnis werden.
An den grellbunten, übersüßen und hochkalorischen Vorbereitungsmaterialien in den Geschäften gibt es schon ab August kaum ein Vorbeikommen.
Ein Weihnachtstee ist schnell zubereitet. Dominosteine und Spekulatiusgebäck lassen sich leicht in den Mund stecken, um ein wenig weihnachtliche Gefühle zu erregen.

Aber einen stärkeren Eindruck in der Erinnerung hinterlassen die Zeiten, als wir mit viel Klebstoff an den Fingern Ketten aus Gold- und Silberpapier formten. Sterne galt es zu falten. Mit der Schere wurden kleine Schnitte angebracht. Wenn der Stern entfaltet wurde, ergaben sich schöne Muster. Ketten und Sterne hingen später am Weihnachtsbaum. Oder sie umgaben den Adventskranz, an dem an jedem Adventssonntag Adventslieder im Kreis gesungen wurden.

Dieser Adventskalender ist ein Werk intensiver Vorbereitung mit vielen Ideen und mühevollen Arbeiten. Vielleicht gab es dabei auch verklebte Finger. An jedem Tag findet sich darin ein kleines Stück, um sich vorzubereiten auf das Weihnachtsfest. An jedem Tag eine kleine Erinnerung daran, dass wir uns mit Händen und Füßen, mit eigenen Ideen und Gefühlen auf die Ankunft des weihnachtlichen Wunders vorbereiten müssen.

Das weihnachtliche Wunder schmiegt sich nicht leicht und geschmeidig in diese Welt wie ein weiches Stück Marzipan in Schokolade. Wir müssen das Hoffnungsvolle von Weihnachten übersetzen für unser Leben, für unsere Zeit. Damit es mehr werden kann als ein süßer Nachgeschmack mit nachfolgendem Völlegefühl.

Es kommt von weit her. Im ersten Moment klingt es fremd. Es steht quer zum Leben, wie es an den meisten Tagen wirkt: Puer natus in Bethlehem – Diese alten Worte in Latein meinen auf Deutsch: „Ein Kind geboren zu Bethlehem“.
Kinder werden ständig geboren in Bethlehem, selbst heute noch. Das ist nichts Besonderes. Aber dieses Kind ist anders, von dem es in dem uralten Lied heißt: Puer natus in Bethlehem. Es ist ein lateinisch-deutsches Mischlied aus dem 14. Jahrhundert. So mischen sich in diesem Kind die einfachsten menschlichen Bedürfnisse und die Nähe Gottes in unvorstellbar intensiver Verbindung.

Puer natus in Bethlehem - Notenschrift Ende 15. Jahrhundert

 

Eine der Strophen beschreibt es so:

Hier liegt es in dem Krippelein, - Krippelein; ohn Ende ist die Herrschaft sein. Halleluja, halleluja.

Und weiter:

Die König' aus Saba kamen her, - kamen her;
Gold, Weihrauch, Myrrhe brachten sie dar.
Halleluja, halleluja.

Sie gingen in das Haus hinein, - Haus hinein
und grüßten das Kind und die Mutter sein.
Halleluja, halleluja.

Sie fielen nieder auf ihre Knie, - ihre Knie
und sprachen: „Gott und Mensch ist hie“.
Halleluja, halleluja.

Für solche gnadenreiche Zeit, - reiche Zeit,
sei Gott gelobt in Ewigkeit.
Halleluja, halleluja.

In früheren Generationen war "Puer natus in Bethlehem" ein sehr bekanntes Weihnachtslied. Doch weder unter „Puer natus in Bethehem“, noch unter „Ein Kind geboren zu Bethlehem“ findet sich das Lied heute noch im Gesangbuch.
Aber es lässt sich in vielen unterschiedlichen musikalischen Bearbeitungen finden.
So kann man sich im Hören immer wieder einstimmen und vorbereiten lassen, damit am Ende das Kind bei uns im Herzen geboren wird.

Esaias Reusner der Ältere - Puer natus in Bethlehem, & c.

 

 

Eine Sammlung von Links, um das Lied in unterschiedlichen Versionen zu hören: